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Klostermedizin

Die Klostermedizin basiert auf der antiken Lehre der Humoralpathologie.
Ausgangspunkt der Humoralpathologie ist die vorsokratische Lehre (nach Empedokles) von den vier Elementen als kleinsten Einheiten der physischen Welt:
Luft, Feuer, Erde und Wasser. Diesen vier Elementen entsprechen (seit Polybos) im menschlichen Körper vier Säfte (humores): Die Luft entspricht dem Blut (sanguis), das Feuer der Gelben Galle (cholera), die Erde der Schwarzen Galle (melancholia) und das Wasser dem Schleim oder Rotz (phlegma). Jeder Saft ist auf ein Organ bezogen: das Blut auf das Herz, die Gelbe Galle auf die Leber, die Schwarze Galle auf die Milz und das Phlegma auf das Gehirn (Tabelle).

Jedes Organ, jeder Körpersaft wie jedes Element ist durch zwei von vier Primärqualitäten gekennzeichnet: Luft/Herz/Blut sind heiß und feucht (calidum et humidum), Feuer/Leber/Gelbgalle heiß und trocken (calidum et siccum), Erde/Milz/Schwarzgalle kalt und trocken (frigidum et siccum) und Wasser/Hirn/Schleim kalt und feucht (frigidum et humidum). Der thermischen Distribution warm/kalt wurde dabei gegenüber der hygrischen (feucht/trocken) ein größeres Gewicht beigemessen.

Befinden sich die vier Säfte im Körper in einem harmonischen Verhältnis (eukrasia, bonum temperamentum), dann herrscht Gesundheit, wobei diese Harmonie von Individuum zu Individuum unterschiedlich sein kann. Aus der individuellen Mischung ergeben sich die Charaktere: Sanguiniker, Choleriker, Melancholiker und Phlegmatiker.

Nimmt aber ein Körpersaft überhand, so entsteht Krankheit, wobei die Krankheit durch die Qualitäten des jeweiligen Saftes bestimmt ist. Um die Harmonie wiederherzustellen, muss eine Arznei mit entgegen gesetzter Wirkung gegeben werden. Dazu wurden die Wirkungen der Heilmittel ebenfalls nach den Primärqualitäten festgelegt, es gibt also wärmende und befeuchtende Mittel, wärmende und trocknende, kühlende und befeuchtende sowie kühlende und trocknende.

Welche Mittel bei welchem Leiden einsetzt werden können, darüber berichtet am 28.September 2010
Dr. Johannes Mayer, Leiter des Forschungsgruppe Klostermedizin der Universität Würzburg im Rahmen unseres IMPULSE Herbstprogrammes.